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Ein Container kann absolut dicht sein und innen trotzdem nass. Das Wasser, das an einem kalten Morgen von der Decke tropft, ist nicht durchs Dach gekommen. Es stammt aus der Luft im Container und oft aus der eingelagerten Ware selbst. In der Fachsprache heißt das Containerschweiß, und es ist der häufigste Grund für Schäden an Lagergut in einem ansonsten einwandfreien Container.
Wer den Mechanismus verstanden hat, bekommt das Problem in den Griff. Dieser Ratgeber erklärt, warum Stahlcontainer schwitzen, was jede Gegenmaßnahme tatsächlich bewirkt und wann sich eine Dämmung lohnt.
Warum Stahlcontainer schwitzen
Warme Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen als kalte. Bei 20 °C fasst ein Kubikmeter Luft höchstens 17,3 g Wasser, bei 10 °C nur noch 9,4 g. Trifft Luft auf eine Fläche, die kälter ist als ihr Taupunkt, schlägt sich der Überschuss dort nieder. Luft mit 20 °C und 70 % relativer Luftfeuchte hat einen Taupunkt von etwa 14 °C — jede Stahlfläche, die kälter ist, wird nass.
Die Außenhaut eines Containers ist dünner Stahl ohne nennenswerte Wärmespeicherung und folgt dem Wetter unmittelbar. In einer klaren Nacht strahlt das Dach Wärme zum Himmel ab und kühlt unter die Lufttemperatur ab, während Luft und Ware im Inneren langsamer abkühlen. Das Containerhandbuch des GDV beschreibt genau diesen Kreislauf: Am Dach bildet sich das meiste Schweißwasser, es trocknet dort tagsüber nicht ab wie an den Wänden und nimmt von Tag zu Tag zu, bis es abtropft.
Das Handbuch zeigt auch, wie wenig dafür nötig ist. Bei rund 60 % relativer Luftfeuchte im Container muss die Wand um etwa 8 K abkühlen, damit sich Kondenswasser bildet; bei 75 % reichen schon etwa 5 K. Das ist ein bescheidener Unterschied zwischen Tag und Nacht.
Woher das Wasser tatsächlich kommt
Die Luft selbst ist ein kleinerer Wasserspeicher, als die meisten annehmen. Ein 20-Fuß-Container enthält rund 33 m³ Luft. Bei 20 °C und 70 % Luftfeuchte trägt sie etwa 400 g Wasser; kühlt die gesamte Luft auf 10 °C ab, müssen rund 90 g kondensieren. Wäre das alles, wäre das Problem gering.
Es ist nicht alles, denn die Luft wird ständig nachgefeuchtet. Hygroskopische Materialien — Holz, Karton, Papier, Textilien, Getreide und der Sperrholzboden des Containers selbst — nehmen Feuchtigkeit auf und geben sie wieder ab, sobald sich der Container erwärmt und die relative Luftfeuchte sinkt. Jeder warme Tag befeuchtet die Luft, jede kalte Nacht schlägt das Wasser am Stahl nieder. Kommen nasse Ware, ein feuchter Rasenmäher, eine nasse Plane oder feuchter Boden unter dem Container hinzu, ist der Nachschub praktisch unbegrenzt.
Deshalb gilt erstens: nur trockene Ware einlagern. Und zweitens: den Container nicht auf nassen Boden stellen — siehe Container-Fundament.
Lüftung, Trockenmittel und Vlies
Standard-Seecontainer haben kleine Lüftungsgitter oben in den Seitenwänden. Sie sorgen für Druckausgleich, bewegen aber kaum Luft. Zusätzliche Lüfter helfen, am besten unten auf der einen und oben auf der anderen Seite, damit warme feuchte Luft oben entweicht und trockenere Luft unten nachströmt. Verwenden Sie wettergeschützte Containerlüfter, die dicht in den Stahl eingesetzt werden, keine offenen Löcher.
Lüftung hat Grenzen. Sie gleicht die Innenluft nur an die Außenluft an, und bei Nebel oder Nieselregen ist die Außenluft selbst feucht. Lüftung verringert Kondenswasser, sie verhindert es nicht.
- Passive Lüftungsgitter — günstig, ohne Strom und das Minimum für jeden Lagercontainer.
- Trockenmittel — Container-Trockenmittelbeutel binden Feuchtigkeit, bis sie gesättigt sind, und müssen dann ersetzt werden. Hängen Sie sie weit oben auf, wo sich warme feuchte Luft sammelt. Sie eignen sich für geschlossene Container mit bekanntem Inhalt; wird der Container häufig geöffnet, sind sie schnell erschöpft.
- Elektrischer Luftentfeuchter — wirksam im geschlossenen Container und die richtige Wahl für Archiv oder Werkstatt. Er braucht aber einen von einer Elektrofachkraft installierten Stromanschluss und einen Ablauf oder regelmäßiges Leeren.
- Antikondensvlies — ein saugfähiges Vlies unter dem Dach fängt Tropfen auf, statt Kondensation zu verhindern. Das GDV-Containerhandbuch nennt Vliese mit einer Aufnahmefähigkeit von bis zu 3 Litern je m². Sinnvoll, wenn der Schaden vor allem durch Tropfwasser auf der Ware entsteht.
Dach beschatten, Ware anheben
Weil sich das Kondenswasser am Dach konzentriert, zählt, was über dem Dach passiert. Eine separate leichte Überdachung über dem Container, mit belüftetem Zwischenraum, verringert sowohl die Erwärmung am Tag, die Feuchtigkeit aus der Ware treibt, als auch die nächtliche Abkühlung, die sie wieder am Stahl niederschlägt. Außerdem hält sie Regen und Schnee von den Türdichtungen fern. Eine dauerhafte Überdachung kann ihrerseits genehmigungspflichtig sein — vorher prüfen.
Unten sollte der Container auf Fundamenten stehen, unter denen Luft zirkuliert. Innen gehört die Ware auf Paletten oder Regale, nie direkt auf den Boden und nicht dicht an die Wände, damit Luft um sie herumströmt und Tropfen nicht auf Ihrem Lagergut landen.
Container dämmen: Möglichkeiten und ehrliche Nachteile
Dämmung ist die zuverlässige Lösung, weil sie die Innenoberfläche so warm hält, dass sie über dem Taupunkt der Innenluft bleibt. Sie ist aber auch die teure Lösung, kostet Innenraum und verlagert das Kondenswasser bei schlechter Ausführung nur an eine Stelle, an der man es nicht mehr sieht. Die Grundregel: Feuchte Innenluft darf den kalten Stahl nie erreichen. Das gelingt entweder mit einer Dämmung, die selbst dampfdicht ist und fest am Stahl haftet, oder mit einer lückenlosen Dampfbremse auf der warmen Innenseite.
- Geschlossenzelliger PU-Spritzschaum — direkt auf den gereinigten Stahl gesprüht, haftet in den Sicken, lässt keinen Luftspalt und wirkt selbst als Dampfbremse. Die wirksamste Methode gegen Kondensat an der Außenhaut. Dagegen spricht: Er ist nicht rückbaubar, verdeckt den Stahl, sodass Rost nicht mehr zu erkennen ist, ist brennbar und muss überall dort verkleidet werden, wo Hitze oder Funken entstehen, und er gehört in die Hände eines Fachbetriebs, der den Stahl richtig vorbereitet. Offenzelliger Schaum ist hier kein Ersatz.
- Dämmplatten oder Matten in einer Unterkonstruktion — Mineralwolle, PIR oder Holzfaser zwischen Latten, verkleidet mit Sperrholz oder OSB. Günstiges Material, gut zum Befestigen von Regalen und Werkbänken, wieder entfernbar. Dagegen spricht: Sie kostet an jeder Fläche Breite und Höhe und funktioniert nur mit einer durchgehenden, an allen Stößen und Durchdringungen verklebten Dampfbremse auf der Innenseite. Jede Lücke lässt feuchte Luft hinter die Verkleidung, wo sie unsichtbar am Stahl kondensiert und den Container von innen rosten lässt.
- Antikondensationsbeschichtung — eine dicke Beschichtung mit saugfähigen oder dämmenden Füllstoffen auf der Innenseite des Stahls. Sie puffert leichtes Kondensat und verhindert gelegentliches Tropfen, braucht kaum Platz und passt zu einem Lager, das einfach weniger nass sein soll. Eine Dämmung im eigentlichen Sinn ist sie nicht, und ein angenehmer Arbeitsraum wird der Container damit nicht.
Dämmung kostet auch Höhe. Ein Standardcontainer hat innen 2 393 mm lichte Höhe, ein 20-Fuß-High-Cube 2 698 mm. Wer Boden, Wände und Decke verkleiden will, behält mit einem High Cube auch nach dem Ausbau eine brauchbare Raumhöhe. Wird ein Container gedämmt, damit Menschen darin arbeiten oder sich aufhalten, stellen sich zudem baurechtliche Fragen — siehe Baugenehmigung für Container.
Welche Ware gefährdet ist — und welche nicht
- Gefährdet — Papier, Akten und Kartonagen; Textilien, Polstermöbel und Matratzen; Leder; Holzmöbel und Instrumente; Elektronik; blanke Stahlwerkzeuge und bearbeitete Metallteile; Saatgut, Futter und Getreide; Bilder und Fotos.
- Im belüfteten Container meist unkritisch — Kunststoff-Gartenmöbel, Reifen, lackierte oder verzinkte Geräte, Baumaterial, das ohnehin draußen lagert, Ware in geschlossenen Kunststoffboxen.
- Nie nass einlagern — den Rasenmäher direkt nach dem Mähen, nasse Planen und Zelte, frisch geschnittenes Holz, feuchtes Brennholz. Jedes davon ist eine Feuchtequelle, die Kondenswasser auf alles andere im Container bringt.
Welche Maßnahmen zu welchem Lagergut passen
- Gartengeräte, Reifen, Baumaterial — passive Lüftung, Paletten, trocken einlagern. Mehr braucht es nicht.
- Hausrat, Möbel, Ware in Kartons — zusätzliche Lüfter, Paletten oder Regale, Trockenmittel, Vlies oder Beschichtung unter dem Dach und an exponierten Standorten eine Überdachung.
- Archive, Elektronik, Maschinen, alles Wertvolle und Feuchteempfindliche — Dämmung mit fachgerechter Dampfbremse plus Luftentfeuchter.
- Werkstatt oder Büro — Dämmung, Heizung, mechanische Lüftung und ein fachgerecht installierter Stromanschluss. Siehe Seecontainer als Lager, Garage und Werkstatt.
Die Zustandsklasse ändert daran nichts. Ein wind- und wasserdichter Container hält Regen ab, ein One-Trip-Container ebenso. Kondensfrei ist keiner von beiden, denn das Wasser kommt nicht von außen.